Networking fuer die Jobsuche, ohne den unangenehmen Teil
Fast alle halten Networking fuer sinnvoll, und fast niemand mag die Version davon, die er sich darunter vorstellt: ein Raum voller Namensschilder, Small Talk mit Fremden, Visitenkarten von Menschen, mit denen man nie wieder spricht.
Die gute Nachricht: diese Version funktioniert ohnehin am schlechtesten. Die Version, die funktioniert, ist deutlich leiser und besteht groesstenteils darin, mit Menschen zu sprechen, zu denen bereits eine Verbindung besteht, und zwar ueber deren Arbeit statt ueber Ihre Jobsuche.
Dieser Artikel handelt von der Beziehung selbst. Wie Sie Ihre Woche auf Kanaele verteilen und welchen Anteil Ihres Suchbudgets das Netzwerk bekommen sollte, steht nicht hier, sondern in der Jobsuche-Strategie. Wie Sie eine gezielte Kampagne bei Unternehmen ohne ausgeschriebene Stellen fahren, steht in der Initiativbewerbung, und Ihr oeffentliches Profil ist Thema von LinkedIn optimieren. Die Frage hier ist enger und schwieriger: Wie bauen Sie tatsaechlich eine Beziehung zu jemandem auf, der Ihnen helfen kann, worum bitten Sie, und was geben Sie zurueck.
Vitamin B ist nicht dasselbe wie Vetternwirtschaft
Ohne diese Unterscheidung laesst sich im deutschsprachigen Raum kaum ueber Networking sprechen, weil das Wort Beziehungen hier einen zwiespaeltigen Klang hat.
Vetternwirtschaft heisst: Sie werden genommen, obwohl es einen besseren Kandidaten gibt, weil Sie jemanden kennen. Das ersetzt Leistung durch Bekanntschaft und aergert zu Recht alle Beteiligten.
Eine Empfehlung heisst: jemand sorgt dafuer, dass Ihre Unterlagen ueberhaupt geoeffnet werden. Sie veraendert nicht die Entscheidung, sondern die Wahrscheinlichkeit, gesehen zu werden. Auch empfohlene Kandidatinnen und Kandidaten durchlaufen das Auswahlverfahren, werden abgelehnt und verhandeln ihr Gehalt. Eine Empfehlung oeffnet die Tuer, sie vergibt keinen Job.
Praktisch heisst das: Ihr Ziel ist nicht jemand, der eine Entscheidung fuer Sie umbiegt, sondern ein Name, der Sie aus dem Stapel holt. Dafuer muss Ihnen nichts unangenehm sein. In vielen Unternehmen ist die Mitarbeiterempfehlung ohnehin ein offizieller Kanal mit einer Praemie fuer die empfehlende Person, das System belohnt es also ausdruecklich.
Was Networking nicht ist
Networking heisst nicht, Menschen um einen Job zu bitten. Wer eine halbe Bekanntschaft um einen Job bittet, bringt sie in eine unmoegliche Lage: sie kennt Ihre Arbeit nicht, kann nicht fuer Sie buergen, und die einzige ehrliche Antwort ist eine hoefliche Ausrede. Der Kontakt ist verbraucht, und Sie haben nichts.
Networking heisst, um Informationen und Einschaetzungen zu bitten und den Rest der Beziehung zu ueberlassen. Informationen kosten den anderen wenig und sind fuer Sie viel wert. Und genau daraus entstehen Empfehlungen: wer fuenfundzwanzig Minuten mit Ihnen ueber seine Branche gesprochen hat, weiss jetzt genug ueber Sie, um Ihren Namen zu nennen, wenn etwas frei wird. Vor dem Gespraech konnte er das nicht.
Die praktische Regel ist ein Satz: fragen Sie nie nach einer Stelle, fragen Sie nach einer Sicht. Was veraendert sich in diesem Feld. Wer stellt gerade aus anderen Gruenden als Wachstum ein. Wie sieht heute ein guter Kandidat fuer so eine Rolle aus. Wo wird jemand mit meinem Hintergrund unterschaetzt.
Jede dieser Fragen ist in fuenf Minuten beantwortbar, und keine davon bringt Ihr Gegenueber in Verlegenheit.
Warum ausgerechnet die Menschen zaehlen, die Sie kaum kennen
Der kontraintuitivste Befund in diesem Bereich, seit der urspruenglichen soziologischen Arbeit zur Staerke schwacher Bindungen vielfach reproduziert: Menschen finden Jobs eher ueber lose Bekannte als ueber enge Freunde.
Der Grund ist strukturell, nicht sozial. Enge Freunde bewegen sich im selben Kreis wie Sie. Sie kennen dieselben Unternehmen, hoeren von denselben Vakanzen, lesen dieselben Nachrichten. Ihre Informationen haben Sie groesstenteils schon. Jemand, mit dem Sie vor vier Jahren kurz zusammengearbeitet haben, oder eine ehemalige Kommilitonin in einer anderen Branche, sitzt dagegen in einem voellig anderen Informationsstrom. Diese Menschen hoeren Dinge, die Sie nie hoeren wuerden.
Daraus folgen zwei Dinge, und die sind der ganze praktische Kern.
Erstens: Breite schlaegt Tiefe. Zwanzig Bekannte in verschiedenen Unternehmen und Branchen sind fuer eine Jobsuche mehr wert als drei enge Freunde in Ihrer eigenen.
Zweitens: eingeschlafene Kontakte sind unterschaetzt. Der Kollege, mit dem Sie seit fuenf Jahren nicht gesprochen haben, kennt Ihre Arbeit immer noch, hat immer noch eine Meinung ueber Sie, und hat fuenf Jahre neue Informationen. Das ist die am wenigsten genutzte Ressource in den meisten Suchen, und die Peinlichkeit, sich zu melden, ist in Ihrem Kopf viel groesser als in seinem.
Das Netzwerk, das Sie bereits haben
Die meisten Menschen glauben, sie haetten kein Netzwerk. Gemeint ist damit meist: kein Netzwerk aus Fuehrungskraeften, die ihnen einen Gefallen schulden. Das braucht es aber gar nicht.
Setzen Sie sich hin und schreiben Sie vier Listen. Ohne beim Schreiben zu filtern.
Ehemalige Kolleginnen und Kollegen. Alle, mit denen Sie direkt zusammengearbeitet haben, auch die, die gegangen sind, die unter Ihnen standen, und Menschen aus kurzen Projekten, Praktika oder Werkstudentenzeiten. Wer vor drei Jahren Ihr Werkstudent war, fuehrt heute vielleicht ein Team mit Headcount.
Ausbildung und Studium. Kommilitonen, Menschen aus dem Jahrgang darueber und darunter, Leute aus Weiterbildungen oder Bootcamps. Alumni-Beziehungen oeffnen Tueren unverhaeltnismaessig leicht, weil der gemeinsame Bezugspunkt die Vorstellung fuer Sie uebernimmt. Fachhochschulen und Universitaeten im deutschsprachigen Raum haben in der Regel echte Alumni-Vereine mit Verzeichnis, nicht nur einen Verteiler.
Angrenzende Berufe. Kunden, Lieferanten, Ansprechpartner auf Agenturseite, Beraterinnen, Menschen, neben denen Sie in einem Konferenzvortrag sassen. Das sind reine schwache Bindungen und deshalb wertvoll: sie liegen per Definition ausserhalb Ihrer Informationsblase.
Alle anderen. Nachbarn, Freunde der Familie, Menschen aus dem Verein oder aus einem Hobby. Diese Liste wirkt am wenigsten professionell und liefert die ueberraschendsten Ergebnisse, weil sie die groesste Branchenstreuung hat.
Meist landen Sie bei vierzig bis hundertfuenfzig Namen. Das ist ein Netzwerk. Die Aufgabe ist nicht, eines aufzubauen, sondern das vorhandene zu aktivieren.
Bauen Sie es auf, bevor Sie es brauchen
Die unbequeme Wahrheit: Networking funktioniert am besten, wenn Sie nicht suchen, und am schlechtesten, wenn Sie suchen. Eine Nachricht in der Woche Ihrer Kuendigung liest sich als Bitte. Dieselbe Nachricht achtzehn Monate frueher liest sich als Interesse.
Zurueckreisen koennen Sie nicht. Wenn Sie jetzt suchen, arbeiten Sie mit dem, was da ist. Aber investieren Sie danach zwanzig Minuten pro Woche in das lange Spiel. Zwanzig Minuten reichen fuer: eine Nachricht an jemanden, dessen Arbeit Ihnen aufgefallen ist, einen echten Kommentar zu einem Beitrag, eine Antwort auf die Neuigkeit einer ehemaligen Kollegin. Ueber ein Jahr sind das fuenfzig Beruehrungspunkte, und genau das ist der Unterschied zwischen einer Namensliste und einem Netzwerk.
Der beste Moment zum Aufbauen ist der, in dem Sie nichts wollen. Gratulieren Sie zur neuen Stelle. Leiten Sie einen Artikel weiter, der wirklich zu einem genannten Problem passt. Stellen Sie zwei Menschen einander vor, die sich kennen sollten. Nichts davon ist im Moment strategisch, und alles davon summiert sich.
Die erste Nachricht, die beantwortet wird
Die meisten Networking-Nachrichten scheitern aus drei Gruenden: sie sind zu lang, sie bitten um etwas Undefiniertes, und sie lassen den Empfaenger selbst herausfinden, warum er angeschrieben wurde.
Eine Nachricht, die beantwortet wird, hat vier Teile und passt ohne Scrollen auf einen Handybildschirm.
Warum genau diese Person. Eine Zeile. Ein gemeinsamer Bezugspunkt oder etwas Konkretes aus ihrer Arbeit. Wer Sie sind. Eine Zeile. Rolle und Feld, kein Lebenslauf. Die Bitte, klein und begrenzt. Zwanzig Minuten, eine konkrete Frage, ein klarer Zeitraum. Ein leichter Ausweg. Nicht zu antworten muss sozial nichts kosten.
Beispiel, an die ehemalige Kollegin eines ehemaligen Kollegen:
Guten Tag Frau Berger, ich habe Ihren Beitrag darueber gelesen, wie Sie das Analytics-Team auf ein Self-Service-Modell umgestellt haben. Ich habe bei Meridian mit Daniel Kaya gearbeitet, er sagte, Sie haetten das Projekt geleitet.
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Ich bin seit fuenf Jahren Datenanalyst im Handel und schaue mir gerade an, wie ein Wechsel in Produktanalytik aussieht. Haetten Sie in den naechsten zwei Wochen zwanzig Minuten, damit ich Sie dazu fragen kann, wie dieser Wechsel von innen aussieht? Ich richte mich gern nach Ihrem Kalender, und wenn es zeitlich nicht passt, ist das ueberhaupt kein Problem.
Beachten Sie, was fehlt. Kein angehaengter Lebenslauf, kein Wort ueber offene Stellen, kein Absatz ueber Motivation und Teamfaehigkeit, und keine Frage, die sich mit "wir stellen gerade nicht ein" beantworten laesst. Gefragt sind zwanzig Minuten ueber ihre Erfahrung, und das ist eher ein Kompliment als eine Last.
Zwei formale Punkte, die im deutschsprachigen Raum ueber die Antwortquote entscheiden. Erstens: Sie, immer, in der ersten Nachricht, mit vollstaendiger Anrede und, falls vorhanden, akademischem Titel. Ein zu frueh angebotenes Du wirkt in vielen Branchen unpassend, auch wenn andere Branchen laengst durchgehend duzen. Zweitens: eine einzige kurze Erinnerung nach zehn Tagen, dann Schluss. Eine zweite Erinnerung bringt kaum jemanden zurueck und kostet den Kontakt.
Das Gespraech selbst
Sie haben fuenfundzwanzig Minuten. Behandeln Sie es als Struktur, nicht als Plausch, dann holen Sie deutlich mehr heraus und hinterlassen einen viel staerkeren Eindruck.
Minute 0 bis 3: bedanken und rahmen. Sagen Sie genau, was Sie verstehen wollen, und bestaetigen Sie die Zeit. "Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Ich versuche zu verstehen, wie sich Analytics in Produktunternehmen tatsaechlich von dem unterscheidet, was ich im Handel gemacht habe, und Sie haben beides gesehen. Ich habe drei Fragen mitgebracht und halte uns bei fuenfundzwanzig Minuten."
Dieser eine Satz leistet enorm viel: er zeigt Vorbereitung, begrenzt die Verpflichtung, und sagt, welche Art Antwort nuetzlich ist.
Minute 3 bis 18: drei echte Fragen. Nicht zehn. Drei, mit Nachfragen. Gute Kandidaten:
- Wie sieht die Arbeit im Alltag wirklich aus, im Unterschied zu dem, was in Stellenanzeigen steht?
- Was hat Sie beim Wechsel dorthin ueberrascht?
- Wenn Sie fuer so eine Rolle einstellen wuerden, was faellt auf dem Papier positiv auf, und was macht Sie nervoes?
- Wer arbeitet in diesem Feld sonst noch an interessanten Dingen?
Die letzte Frage ist die wichtigste des ganzen Themas. So wird aus einem Gespraech drei.
Minute 18 bis 23: kurz ueber sich sprechen, wenn gefragt wird. Die meisten fragen, was Sie machen. Haben Sie sechzig Sekunden bereit, konkret und nicht auswendig gelernt. Genau hier entsteht der Eindruck, der darueber entscheidet, ob man spaeter an Sie denkt.
Minute 23 bis 25: sauber und frueh schliessen. Beenden Sie das Gespraech vor Ablauf der Zeit, nicht danach. "Das war sehr hilfreich, vielen Dank. Ich halte Sie nicht laenger auf." Frueh zu beenden bleibt in Erinnerung, weil es fast niemand tut.
Schicken Sie am selben Tag eine kurze Danksagung, die eine konkrete Sache aus dem Gespraech nennt. Kein Baustein, ein Satz, der beweist, dass Sie zugehoert haben. Das ist etwas anderes als die Dankesmail nach dem Vorstellungsgespraech, die eine andere Aufgabe hat, aber das Prinzip der Konkretheit ist dasselbe.
Was Sie zurueckgeben
Networking, das nur nimmt, heisst Ausnutzen, und man sieht es von aussen. Die gute Nachricht: die Waehrung ist nicht Hierarchie, Sie haben also immer etwas anzubieten.
Sie koennen Aufmerksamkeit geben: lesen, was jemand geschrieben hat, und inhaltlich antworten. Sie koennen Informationen geben: etwas aus Ihrer Welt, das der anderen Seite fehlt, ein Werkzeug, ein Lieferant, eine Veraenderung beim Wettbewerber. Sie koennen Vorstellungen geben, das wertvollste Geschenk und fuer Sie kostenlos. Sie koennen Ihre Zeit geben: die Frage von jemandem beantworten, der in Ihrem Feld anfaengt. Genau das macht das System gegenseitig statt ausbeuterisch.
Und Sie koennen das Einfachste geben: den Kreis schliessen. Wenn Ihnen jemand zwanzig Minuten geschenkt hat, sagen Sie ihm, was daraus geworden ist. "Ich habe Ihren Hinweis aufgegriffen und die Handelsprojekte als Produktarbeit formuliert, daraus sind zwei Gespraeche geworden. Vielen Dank." Das bleibt haengen, und diesen Menschen hilft man wieder.
Vom Gespraech zur Empfehlung, ohne zu fragen
Hier machen fast alle denselben Fehler: entweder zu frueh fragen, was ein Nein erzwingt, oder nie fragen, was die Beziehung verschenkt.
Der Mechanismus, der funktioniert: machen Sie es laecherlich einfach, Sie weiterzureichen, und ueberlassen Sie die Entscheidung.
Fragen Sie am Ende eines guten Gespraechs nicht "koennen Sie mich empfehlen". Formulieren Sie einen Satz, der die Option anbietet, ohne sie einzufordern:
Wenn Ihnen etwas begegnet, wo dieser Hintergrund passt, wuerde ich mich freuen, wenn Sie an mich denken. Und falls es Ihnen leichter faellt, schicke ich Ihnen gern zwei Zeilen, die Sie weiterleiten koennen.
Sagt die Person ja, schicken Sie diese zwei Zeilen. Das ist der Text mit dem hoechsten Hebel in Ihrer ganzen Suche, weil genau er weitergeleitet wird. Kurz genug zum Einfuegen in eine Nachricht, in der dritten Person, und konkret:
Ayla ist Datenanalystin, fuenf Jahre im Handel, Schwerpunkt Preisgestaltung und Bestandsprognose, und wechselt jetzt in Produktanalytik. Sie hat bei Meridian das woechentliche Prognosemodell neu aufgebaut und den manuellen Reporting-Aufwand um etwa einen Tag pro Woche gesenkt. Sie sucht eine Rolle als Produktanalystin auf mittlerer Ebene, am liebsten dort, wo Daten wirklich genutzt werden. Lebenslauf im Anhang.
Vergleichen Sie das mit dem, was die meisten schicken: einen Lebenslauf und den Satz "sag Bescheid, wenn du etwas hoerst". Der weiterleitbare Absatz uebernimmt das Denken, und Denken ist der eigentliche Preis einer Empfehlung.
Wenn eine Empfehlung zustande kommt, denken Sie daran: sie veraendert, wie Sie gelesen werden, nicht ob Sie die Arbeit koennen. Auch empfohlene Unterlagen muessen tragen, weshalb Referenzen im Lebenslauf und eine saubere Bewerbung nicht ueberfluessig werden. Der eine Mechanismus bringt Sie hinein, der andere bestaetigt Sie.
Einen Kontakt wecken, mit dem Sie seit Jahren nicht gesprochen haben
Der eingeschlafene Kontakt ist der wertvollste und der am meisten vermiedene. Der ganze Trick: erwaehnen Sie die Luecke in einem Nebensatz und gehen Sie weiter. Entschuldigen Sie sich nicht ueber einen ganzen Absatz, denn dann muss die andere Seite Sie beruhigen, und das ist Arbeit.
Hallo Mert, es ist viel zu lange her, ich hoffe, bei Delta laeuft es gut. Ich habe gesehen, dass du jetzt das Plattform-Team fuehrst, herzlichen Glueckwunsch.
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Nach vier Jahren Backend schaue ich mir Infrastruktur-Rollen an, und du bist einer der wenigen, die diesen Sprung wirklich gemacht haben. Haettest du in den naechsten zwei Wochen zwanzig Minuten? Ein Nein ist voellig in Ordnung.
Niemand, der gern mit Ihnen gearbeitet hat, aergert sich ueber Ihre Nachricht. Das realistisch schlechteste Ergebnis ist Schweigen, und das laesst Sie genau dort, wo Sie ohnehin waren.
Veranstaltungen, Verbaende und wohin die Zeit wirklich geht
Praesenzveranstaltungen haben eine niedrige Ausbeute pro Stunde und liefern gelegentlich etwas, das keine Nachricht je gebracht haette. Gehen Sie mit Plan hin: zwei echte Gespraeche statt fuenfzehn oberflaechliche, frueh kommen, solange es ruhig genug zum Reden ist, und innerhalb von achtundvierzig Stunden nachfassen, sonst verdunstet der Kontakt.
Online-Communities in Ihrem Feld, die Fach-Slacks, Discord-Server und Foren, funktionieren fuer die meisten besser. Weniger Druck, und Sie koennen oeffentlich nuetzlich sein. Sichtbar hilfreich zu sein an einem Ort, an dem sich Praktiker sammeln, ist die effizienteste Form von Networking ueberhaupt. Beantworten Sie drei Monate lang Fragen, und man weiss, wer Sie sind, bevor Sie irgendetwas brauchen.
Im deutschsprachigen Raum kommt eine Struktur dazu, die oft unterschaetzt wird: Fachverbaende, Berufsverbaende, IHK-Arbeitskreise und Alumni-Vereine. Dort ehrenamtlich mitzuarbeiten, in einem Arbeitskreis, einem Meetup-Team oder einem Konferenzprogramm, hat von allem hier den hoechsten Ertrag, weil es Sie in eine Arbeitsbeziehung mit Menschen bringt statt in eine gesellige. Arbeitsbeziehungen erzeugen Empfehlungen. Small Talk nicht.
Was im deutschsprachigen Markt konkret hilft
Fragen Sie nach dem Empfehlungsprogramm. In mittleren und grossen Unternehmen ist die Mitarbeiterempfehlung ein offizieller Kanal mit Praemie. Die Frage "gibt es bei euch ein Empfehlungsprogramm" ist keine Bitte um einen Gefallen, sondern ein Hinweis auf einen Weg, bei dem beide Seiten gewinnen. Diese Portale wollen den Lebenslauf meist als Datei, nicht als Link.
LinkedIn und XING nebeneinander denken. LinkedIn dominiert inzwischen klar, aber in Teilen des Mittelstands und bei aelteren Kontakten ist XING weiterhin praesent. Wenn jemand dort aktiver wirkt, schreiben Sie dort.
Kontaktanfragen immer mit Notiz. Eine leere Anfrage ist Rauschen. Drei Zeilen veraendern die Annahmequote und, wichtiger, die Wahrscheinlichkeit eines Gespraechs danach.
Sommerloch und Weihnachtszeit einplanen. Zwischen Mitte Juli und Ende August sowie zwischen Weihnachten und Dreikoenig antwortet kaum jemand zeitnah. Das ist kein Desinteresse, sondern der Kalender. Beides sind aber gute Zeitfenster, um Menschen zu erreichen, die gerade weniger Termine haben.
Diskret bleiben, wenn Sie ungekuendigt suchen. Sprechen Sie einzelne Menschen an, statt ein oeffentliches Signal zu setzen, und sagen Sie ausdruecklich, dass es unter Ihnen bleiben soll. Oeffentliche Suchsignale erreichen Recruiter, sie erreichen aber auch Ihren aktuellen Arbeitgeber.
Wenn es still bleibt
Manchmal kommt keine Antwort, oder Sie fuehren ein gutes Gespraech und hoeren monatelang nichts. Das ist normal und hat fast nie mit Ihnen zu tun.
Nehmen Sie dieselben drei Erklaerungen an wie ueberall sonst: die Person ist beschaeftigt, die Nachricht kam zum falschen Zeitpunkt, oder sie hat es schlicht vergessen. Keine davon rechtfertigt eine zweite Erinnerung, und keine bedeutet das Ende der Beziehung. Wer im Maerz nicht antwortet, antwortet vielleicht im September.
Entscheidend ist, dass Schweigen Sie nichts kostet, solange Ihre Suche nicht auf einer einzelnen Person ruht. Fuehlt sich ein stiller Kontakt wie eine Katastrophe an, ist das eigentliche Problem die Groesse des Netzwerks, nicht das Verhalten dieser Person. Dieselbe Logik gilt fuer Absagen: sie sind viel leichter zu verkraften, wenn mehrere Dinge parallel laufen. Darum geht es in Umgang mit Absagen.
Haeufige Fragen
Ist Networking nur ein hoefliches Wort fuer Vetternwirtschaft? Nein, und die Unterscheidung lohnt sich. Vetternwirtschaft heisst, statt eines besseren Kandidaten genommen zu werden, weil man jemanden kennt. Eine Empfehlung heisst, von jemandem gesehen zu werden, der Ihre Unterlagen sonst nie geoeffnet haette, und danach konkurrieren Sie wie alle anderen. Eine Empfehlung sorgt dafuer, dass man Sie liest, nicht dafuer, dass man Sie nimmt.
Ich bin introvertiert. Ist das aussichtslos? Im Gegenteil. Fast alles hier ist schriftlich, asynchron, eins zu eins und vorbereitbar, was Introvertierten deutlich besser liegt. Der Raum voller Fremder ist ohnehin die Version, die fuer alle am schlechtesten funktioniert.
Mit wie vielen Menschen sollte ich sprechen? Waehrend einer aktiven Suche sind zwei bis drei echte Gespraeche pro Woche viel und mehr, als die meisten schaffen. Fuenfzig oberflaechliche Kontaktanfragen sind weniger wert als drei Gespraeche.
Was habe ich jemandem Erfahrenen zu bieten? Aufmerksamkeit, eine andere Perspektive, und die Faehigkeit, den Kreis zu schliessen. Erfahrene Menschen werden staendig um etwas gebeten und selten informiert, was daraus wurde. Wer zurueckmeldet, faellt auf.
Soll ich meinem Netzwerk sagen, dass ich suche? Wenn Sie in ungekuendigter Stellung sind, sprechen Sie einzelne Personen an statt zu senden, und bitten Sie ausdruecklich um Vertraulichkeit.
Wie lange dauert es, bis Networking etwas bringt? Laenger als Bewerben, mit deutlich besseren Chancen pro Kontakt. Rechnen Sie in Wochen, nicht in Tagen. Genau deshalb faengt man damit nicht an dem Tag an, an dem man einen Job braucht, und genau deshalb sind zwanzig Minuten pro Woche ohne Anlass die beste Investition in diesem Artikel.
Kurzfassung
Fragen Sie nach einer Sicht, nie nach einem Job. Die Informationen, die Ihnen fehlen, liegen bei schwachen und eingeschlafenen Kontakten. Schreiben Sie vier Listen, und Sie merken, dass Sie ein Netzwerk haben. Halten Sie die erste Nachricht kurz, konkret und leicht abzulehnen, und siezen Sie. Fuehren Sie das Gespraech in fuenfundzwanzig Minuten mit drei echten Fragen, und fragen Sie immer, mit wem Sie sonst noch sprechen sollten. Geben Sie etwas zurueck und schliessen Sie den Kreis. Und wenn der Moment kommt, reichen Sie zwei weiterleitbare Zeilen, statt um eine Empfehlung zu bitten.
Wird aus dem Gespraech eine Bewerbung, muss das Dokument seine Arbeit tun. CvLaunch zeigt Ihnen, wie Ihr Lebenslauf gegen genau die Anzeige gelesen wird, auf die Ihr Kontakt Sie hingewiesen hat, damit die muehsam erarbeitete Tuer nicht an den Unterlagen scheitert.
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